Geschichte der KöB St. Jakobus

Beitrag aus dem Jahr 2000:

75 Jahre jung geblieben
oder warum Ihre Katholische Öffentliche Bücherei nicht gerne „Pfarrbücherei" genannt wird.
Das Jahr 1946:
„Ihr seid elitär, macht mal was!" Dieser Aus- und Anspruch von Pfarrer Philipp Otto Abel veranlasste 3 Jugendliche im Alter von 15-16 Jahren, sich mit einem geheimnisvollen Schrank in der Diele des 1.OG im Pfarrhaus  zu beschäftigen.
Dieser Schrank war seit 1941 beschlagnahmt und versiegelt. Man kam allerdings  ohne Zerstörung des Siegels an die ca. 200 darin enthaltenen Bücher  heran:
Das Reichsministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung hatte die „gefährliche Rührigkeit des Borromäusvereins" unterschätzt.
Mit dem Beitritt zu diesem seit 1845 in allen Diözesen  unterstützend wirkenden Verein hatte Hambach seit 1925 eine allen zugängliche katholische Volksbücherei aufgebaut.
Bücher wurden zu einem günstigen Preis zum Kauf vermittelt oder gegen einen geringen Betrag  oder Jahresmitgliedsbeitrag ( 1926: vier Reichsmark)  verliehen.
So standen in dem kleinen Hambach 1937 schon 6o5 Bücher aus den verschiedensten Sparten zum Verleih.
Unter dem Nationalsozialismus wurde der Einkaufsstelle des Borromäusvereins 1939 die Rabattierung gestrichen. Dann mussten laut Erlass vom 18. 4. 1940 alle nicht religiösen Bücher aus den jetzt sog. „Pfarrbüchereien" entfernt und sichergestellt werden. Dies bedeutete 1941 auch das offizielle Aus der katholischen Büchereiarbeit in Hambach. Einige treue Mitglieder zahlten allerdings bis 1942 Beiträge.
Schon in seiner Satzung vom März 1845 hatte der Borromäusverein unter § 3 stehen:
„Als das nächste Ziel stellt sich der Verein die Aufgabe, dem verderblichen Einflusse, den die schlechte Literatur auf alle Klassen der bürgerlichen Gesellschaft ausübt, durch die Begünstigung und Verbreitung guter Schriften entgegen zu wirken."
Wie groß der Hunger nach „guten Schriften" nach Kriegsende 1945 war und wie segensreich die Tätigkeit der ehrenamtlichen Helfer zeigt sich in der Jahresstatistik der Hambacher Katholischen Öffentlichen Bücherei von 1947:
Bei einem Bestand von 404 ! Büchern eine Ausleihe von 5000 = Fünftausend ! Bänden.  Man verlangte eine Leihgebühr von 10  Pf. für Kinder und 20 Pf. für Erwachsene  und versuchte durch Jahresbeiträge ( 2 DM ) und geringe Zuschüsse der Kirchengemeinde die Bestände wieder aufzubauen.
So standen 1959 wieder 810 Bücher zum Verleih.
Geradezu futuristisch wirkte der Folieneinband zur Erhaltung der Bücher: Ein Büchereimitglied brachte Versuchsfolien der BASF - das war billig und leistete beste, modernste Dienste.
Ab ca. 1961 verzeichnen die Bücherei und ihre Aktivitäten einen starken Rückgang. Dies war wohl teilweise in dem nachlassenden Engagement der „Nachkriegsgeneration" der ehrenamtlichen Büchereileiter / innen begründet. Sie wuchsen ins Heirats- und Familienalter. Zum Teil lag es wohl auch an tiefgreifenden Wandlungen in Kirche und Gesellschaft in den  60 er Jahren.
Umso größer ist der Verdienst von Schwester Magnifica Ruffing OP , die nach mühseliger Vorarbeit (Von 1966 - 1972 im Schwesternhaus) mit der Unterstützung von Pfr. Alfons Kaufhold 1973 im jetzigen „Jugendraum" wieder eine „richtige" Bücherei eröffnete.
Ihr Engagement wurde mit Erfolg gekrönt: 3086 Ausleihen, bei einem Bestand von 830 Medien; das war Rekord: Von 6 KÖBs im Stadtbereich Neustadt war Hambach die kleinste aber „ auf Anhieb" erfolgreichste.
Ein reger Schriftwechsel zwischen Schw. Magnifica und Pfr. Kaufhold mit Bischöflichem Ordinariat, Stadtverwaltung, Ortsverwaltung, Pfarrverwaltung etc. zeugen von einem regelrechten Kampf um Geld und Raum in den Jahren 1973 - 1977.
Schw. Magnifica griff den Vorschlag von Prälat Josef Schwartz auf und übernahm mit ihren ehrenamtlichen Helfern die Arbeit einer Dekanatsbücherei für das Dekanat Bad Dürkheim - Süd. Kleinere kirchliche Büchereien aus dem Dekanat konnten bei ihr Blockausleihe betreiben und so ihre Bestände immer wieder auffrischen. Dafür erhielt die Bücherei Hambach einen nennenswerten Zuschuß von 3000 DM im Jahr, um zusätzliche Medien zu beschaffen.
Mit der Einweihung des Büchereiraumes im neuen Pfarrheim am 4. Advent 1977 war auch die Raumnot beendet.
Es folgten Jahre, in denen die KÖB immer mehr zu einem Ort der Begegnung, zu einer Bildungseinrichtung mit persönlicher Beratung ( Ausstellungen !), aber auch Freizeitspaß
( Buchrätsel! ) wurde. Zu einem Ort von Seelsorge im weitesten Sinn.
Leider musste Schw. Magnifica ( inzwischen „ Kirchliche Büchereiassistentin" ) 1989 Hambach verlassen und die Büchereileitung aufgeben.
Nach gründlicher Überarbeitung durch die Fachstelle Speyer begann am 3. 11. 1991 mit der Neueröffnung durch Diözesanpräses Schäffer ein neues Jahrzehnt fruchtbarer Arbeit der Katholischen Öffentlichen Bücherei - im alten Geist; aber keineswegs als bigotte, muffelige und verstaubte „ Pfarrbücherei."
Die Katholische öffentliche Bücherei (KöB) St. Jakobus war und ist zeitgemäß und aktuell.
Seit August 1999 ist sie im Internet vertreten (http://www.01019freenet.de/koebstjakobus).
Verlängerungswünsche, Anregungen und Kommentare können bequem per E-mail an die Bücherei geschickt werden (a.hohma@01019freenet.de).
Seit Mai 2000 nimmt die KöB St. Jakobus als Vermittlerbibliothek an der Virtuellen Bibliothek Rheinland-Pfalz teil (als erste KöB in der Diözese Speyer). An diesem Service nehmen ca. 70 wissenschaftliche und öffentliche Bibliotheken in Rheinland-Pfalz teil. Sie können im Internet (www.vbrpexpress.de) im Bestand der rheinland-pfälzischen Universitätsbibliotheken und großen öffentlichen Büchereien recherchieren, die gewünschte Literatur bestellen und in Ihrer KöB St. Jakobus in Ihrer Nähe abholen. Landeseinheitlich fällt ein Entgelt von 5 DM pro Medium an. Dieser Service wird hauptsächlich von Studenten genutzt, steht aber jedem offen.
Neu im Angebot der KöB sind CD-ROM's für Kinder.
Seit 1997 zählen auch Zeitschriften zum vielfältigen Angebot der KöB St. Jakobus.
Zeitschriften wie „test", „GEO" (gestiftet von der Brunnenapotheke) und „TOMORROW" können genauso wie alle anderen Medien kostenlos für drei Wochen entliehen werden.
Im März 2000 wurde eine vollständige Bestandsdurchsicht der KöB St. Jakobus vorgenommen.
Zur Zeit liegt der Bestand bei 4326 Büchern. Im Jahr 2000 wird die Anzahl der Neuanschaffungen mehr als 400 Medieneinheiten betragen.
Kommen Sie doch einmal unverbindlich vorbei!
Unsere Adresse:
Pfarrheim St. Jakobus Hambach 67434 Neustadt
Unsere Öffnungszeiten:
Dienstag 17.30 - 19.00   Sonntag 11.00 - 12.00

Mein Dank geht an alle, die durch ihren aktiven ehrenamtlichen Dienst in all den Jahrzehnten zum Gelingen der Bücherei beigetragen haben, an alle Leser und Förderer und besonders an
Schwester Caritas / Hildenbrandseck ( 31 Jahre in der Fachstelle Speyer), Christa Eichberger,  Pfarrer Alfons Kaufhold, Schwester Magnifica Ruffing OP, Friedel Scharfenberger, Alban Schwenk, Christel Waurig für die umfassende Auskunft zur persönlichen Büchereigeschichte.

Hella Hohmann - Kirchliche Büchereiassistentin - Hambach


So erreichen Sie uns:

E-Mail: a.hohma@freenet.de
Tel.: 06321/30291